Naturschutzprojekt Saalbachniederung


Luftbild SaalbachniederungIn der Saalbachniederung im nördlichen Landkreis Karlsruhe bestand bis in die sechziger Jahre hinein eines der größten Wiesengebiete des Landkreises Karlsruhe. Zusätzliche Bedeutung erlangten die weiträumigen Wiesen durch Wiesenwässerungen, die zweimal im Jahr durchgeführt wurden und dadurch ein großes Amphibienvorkommen begünstigten.

Die Wiesen wurden nicht nur von den damals (bis 1962) in Hambrücken nistenden Störchen aufgesucht. Storchentrupps von über 100 Störchen sammelten sich in der Saalbachniederung alljährlich vor dem Wegzug nach Afrika, um das reichhaltige Nahrungsangebot dieser Niederung zu nutzen. In der Folgezeit begannen die Landwirte die Wiesen umzupflügen. Dieser Trend wurde noch verstärkt, als die Wässerwiesengenossenschaft aufgelöst wurde (1972). Mitte der Achtziger Jahre waren schließlich über 90% der ehemals vorhandenen Wiesen durch Umbruch verschwunden (am Saalbach entlang nahezu 100%). Halten konnte sich nur ein Wiesenstreifen am Waldrand (Stangenwiesen, Frauenwiesen), doch auch hier waren schon viele Wiesen umgebrochen worden. Vorhersehbar war, daß dieser Trend zum Umbruch, wenn nicht schnell etwas geschieht, weitergehen würde.

Um zu verhindern, daß auch noch die restlichen Wiesen dem Umbruch zum Opfer fallen, und weil dadurch die Saalbachniederung für den Natur- und Artenschutz überhaupt keine Perspektive mehr gehabt hätte, startete im Jahr 1986 der jetzige 1. Vorsitzende der NABU-Gruppe Hambrücken e. V. Franz Debatin eine Initiative zur Rettung der noch vorhandenen Wiesen. Er pachtete Wiesengrundstücke, die von den bisherigen Eigentümern aufgegeben wurden, an und vermittelte diese an Bewirtschafter zur Pflege.

Innerhalb von wenigen Jahren wuchs die von ihm angepachtete Fläche auf 20 Hektar, bestehend aus 120 Grundstücken. Darunter waren auch Ackerflächen, die wieder in Wiesen zurückverwandelt wurden, damit wieder geschlossene Wiesenbereiche entstehen konnten.

Im Jahr 1989 wies das Landratsamt Karlsruhe die Saalbachniederung als Landschaftsschutzgebiet (LSG) aus.

Die Initiative von Franz Debatin trug im Jahre 1990 maßgeblich zur Gründung des interkommunalen Wiesenarbeitskreises „Pfinz-Lußhardt-Auen“ bei, der inzwischen in zum Verein „Wiesenauen Mittlerer Oberrhein“ umbenannt wurde. Ihm gehören die Städte und Gemeinden: Stutensee, Bruchsal, Karlsdorf-Neuthardt, Hambrücken, Waghäusel, Phillippsburg, Graben-Neudorf, Dettenheim und Oberhausen-Rheinhausen an. Ziel dieses Vereins ist die Erhaltung und Wiederherstellung der früheren bachbegleitenden Auenwiesen der Pfinz, des Saalbachs, des Waagbachs und des Duttlacher Grabens. Der NABU, die Arbeitsgemeinschaft für Natur- und Umweltschutz Bruchsal (AGNUS) sowie das Regierungspräsidium Karlsruhe (Referat Naturschutz) sind beratende Mitglieder dieses Vereins.

Der ersehnte Durchbruch für das Projekt in der Saalbachniederung gelang schließlich, als ein Landwirt aus Karlsdorf-Neuthardt, der einen Großteil der Flächen in der Saalbachniederung bewirtschaftet, in einem in Baden-Württemberg (B-W) bisher einmaligen Schritt 1991 seinen gesamten Betrieb mit ca. 200 Hektar Bewirtschaftungsfläche in das Extensivierungsprogramm des Landes B-W einbrachte und die zuvor intensiv genutzten Ackerflächen in extensiv genutzte Wiesen umwandelte.

Diesem Schritt zur Extensivierung schlossen sich noch im gleichen Jahr weitere Landwirte an. Auch in den darauffolgenden Jahren konnten Dank der Bemühungen der NABU-Gruppe Hambrücken weitere Ackerflächen in extensiv genutzte Wiesen umgewandelt werden mit dem Ergebnis, daß heute wieder ein geschlossenes Wiesengebiet von nahezu 300 Hektar Größe vorhanden ist. Damit kann sich in der Saalbachniederung wieder das größte geschlossene Wiesengebiet des Landkreises Karlsruhe entwickeln.

Im Jahr 1993 wurde auf Initiative von Franz Debatin die NABU-Gruppe Hambrücken e.V. gegründet. Ein weiterer bedeutender Schritt gelang 1993 mit einem Storchenprojekt im Rahmen des Weißstorchschutzprogrammes B-W, das von der NABU-Gruppe Hambrücken betreut wird. Hierfür wurden auch Flachgewässer geschaffen, die im Laufe der Jahre mehrmals erweitert wurden und inzwischen eine Fläche von 3 Hektar umfassen. Die NABU-Gruppe Hambrücken pflegt dieses Feuchtgebiet durch mehrere Arbeitseinsätze im Jahr mit dem vereinseigenen Balkenmäher. Zahlreiche, zum Teil seltene Vogelarten, die hier wieder brüten bzw. vor ihrem Weiterflug in die Brut- und Winterquartiere rasten, belegen die große Bedeutung dieses Feuchtgebietes. Ebenso nutzen verschiedene Amphibienarten das Feuchtgebiet als Laichgewässer.

Um auch weiterhin in der Lage zu sein, den Lebensraum für bedrohte Arten möglichst noch weiter zu verbessern, bietet die NABU-Gruppe Hambrücken e.V. Patenschaften für den Weißstorch, sowie eine Saalbachwiesen-Aktie an. Zusätzlich werden Führungen für Vereine und interessierte Besucher durchgeführt. Durch Ausstellungen und Filmvorträge versuchen wir die Öffentlichkeit zu informieren und für unsere Naturschutzanliegen zu sensibilisieren.

Stolz ist die NABU-Gruppe Hambrücken auf die Unterstützung durch die Zoologische Gesellschaft Frankfurt, die über ihre Stiftung „Hilfe für die bedrohte Tierwelt“ im Jahr 1997 das Saalbachwiesenprojekt in ihr Förderungsprogramm aufgenommen hat. Zur Sicherung (durch Grunderwerb) und positiven Weiterentwicklung des Projektes wurden bedeutende finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt. Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt hat auch ein langfristiges Pflege- und Entwicklungskonzept (LEK) für die Saalbachniederung finanziert. Erstellt wurde das LEK vom NABU-Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz Bühl. Der Abschlußbericht wurde im Jahr 2000 vorgelegt.

Ein weiterer bedeutender Förderer des Naturschutzprojektes Saalbachniederung ist die „Deutsche Umwelthilfe„, die auch maßgeblichen Anteil daran hat, dass bereits über 200 Wiesengrundstücke in der Saalbachniederung angekauft und dadurch langfristig gesichert werden konnten.

Nicht vergessen werden darf der NABU Landesverband Baden-Württemberg. Mit dessen Geschäftsstelle in Stuttgart besteht seit der Gründung der NABU Gruppe Hambrücken im Jahre 1993 eine sehr enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Schlußbemerkung zum „Saalbachwiesenprojekt“ und Zusammenfassung

Aus kleinen Anfängen heraus und in zähen Bemühungen hat sich ein Projekt von beachtlicher Größe entwickelt, das von vielen in Baden-Württemberg derzeit als einzigartig eingestuft wird und Modellcharakter hat. In der Saalbachniederung befindet sich wieder einer der besten Brutplätze für die Feldlerche in Baden-Württemberg. Grauammer, Teichrohrsänger, Wachtel und viele andere Vogelarten nehmen in ihrem Bestand wieder zu. Auch als Rastplatz für durchziehende Vogelarten bzw. Überwinterungsgebiet hat die Saalbachniederung Bedeutung, dies belegen Beobachtungen von Kranich, Schwarzstorch, Raubwürger, Großer Brachvogel sowie Silber-, Purpur- und Nachtreiher.
Erfreulich ist auch die Bestandsentwicklung beim Feldhasen. Im Jahr 2000 blühte erstmals seit Jahren wieder der seltene Kantige Lauch. Weitere Anstrengungen sind notwendig, um die Saalbachwiesenlandschaft dauerhaft zu erhalten und im Sinne des Naturschutzes weiter voran zu bringen.

Unsere Bemühungen sind anerkannt und wurden bereits mit mehreren bedeutenden Naturschutzpreisen ausgezeichnet, so z.B. mit dem Naturschutzpreis des Landes Baden-Württemberg im Jahre 1998, der „Goldenen Natur“ von ZDF/HÖRZU (2001) und mehrmals beim Kreisumweltschutzwettbewerb.